IMG_1220

So klein und schon so alt...

Im Jahre 2007 feierte unser Dorf seinen 777. Geburtstag

Die ältesten materiellen Spuren menschlichen Lebens in unserem Gebiet sind höchstens 10.000 bis 12.000 Jahre alt. Aus der Zeit 10.000 bis 3.000 v.d.Z. wurden Schaber und Abschläge aus Feuerstein gefunden. Siedlungsspuren wurden noch nicht entdeckt. An materiellen Hinterlassenschaften aus der jüngeren Steinzeit von 3.000 bis 1.600 v.d.Z. fanden sich bis jetzt einige Steingeräte, und Reste von Großsteingräbern. In der so genannten Eisenzeit ab 600 v.d.Z. lebten in unserer Gegend Völkerschaften, unter anderem die Langobarden. Vom 7. Jahrhundert an wanderten in das Gebiet zwischen Elbe und Oder slawische Völkerschaften aus dem Osten und Südosten ein. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte bis 900 u.Z. bildeten die Einwanderer im heutigen Westmecklenburg den Großstamm der Obotriten. Ein Teilstamm davon waren die Polaben (Laba = slaw. „Elbe“; Polaben = slaw. „Elbanwohner“). Diese wohnten auch in unserer Gegend. Die Slawen lebten vor allem als Bauern, Viehzüchter und Fischer. Erkennbare slawische Siedlungsspuren wurden bis jetzt an zwei Orten gefunden. Der Ortsname Granzin ist slawischen Ursprungs und bedpostkart1eutet etwa „Grenzort“.

Im Laufe der nächsten 300 Jahre wurden die Slawen immer mehr in die Verteidigung gedrängt. Um das Jahr 1100 mussten sie sich gegen zwei expansive Gegner wehren: das Dänische Königreich und das Deutsche Kaiserreich. 1154 wurde das Bistum Ratzeburg gegründet. Dessen Hauptaufgabe war die Christianisierung der slawischen Gebiete. Kirche und weltlicher Herrscher arbeiteten hier also Hand in Hand. In den Jahrzehnten von 1147 bis ca. 1170 wurden die Obotriten und die anderen slawischen Stämme besiegt und Mecklenburg weitgehend zum Einflussgebiet Heinrichs des Löwen. 1160 fiel Niklot, der Fürst der Obotriten, im Kampf. 1166, einige Jahre später, erhielt sein Sohn Teile seines Herrschaftsgebietes in Ostmecklenburg von Heinrich dem Löwen zurück und herrschte als dessen Lehensmann, als sein Vasall. Seine Nachkommen gründeten später das mecklenburgische Fürstenhaus, das bis 1918 regierte. Heinrich der Löwe selbst behielt das Land Boizenburg, also unsere engere Heimat.

Um 1230 hatte die so genannte Ostkolonisierung der Länder Boizenburg, Wittenburg und Gadebusch einen gewissen Abschluss erreicht. Der Bischof in Ratzeburg benötigte eine Aufstellung aller Orte, die an das bischöfliche Amt Kirchenzehnt zu zahlen hatten. Mitarbeiter der Kirche stellten dieses „Ratzeburger Zehntenregister“ (R.Z.R.) zusammen. Darin wurden sehr genau alle abgabepflichtigen Dörfer aufgelistet. Für die meisten Orte unserer Gegend ist das die erste schriftliche Erwähnung ihrer Existenz, sozusagen ihre „Geburtsurkunde“. Das gilt auch für Granzin. Die Angaben für unser Dorf waren kurz und sachlich: 20 Hufen, d.h. Bauern, zahlten Abgaben. Der Locator hieß Wilhelmus, wahrscheinlich ein Ritter. Er hielt zwei Freihufen in Besitz. Höchstwahrscheinlich gehörten der Kirche im Ort ebenfalls zwei Freihufen. Es bestanden also 24 Hufen: Granzin war ein so genanntes Doppeldorf. Normaldörfer, wie z.B. Nieklitz, hatten in der Regel 12 Hufen. Slawische Dorfbewohner wurden nicht erwähnt, wie das bei manchen, anderen Dörfern geschah.
Granzin wurde um 1230 zum ersten mal dokumentiert. Höchstwahrscheinlich aber ist das deutsche Dorf einige Jahrzehnte älter. Die Anfänge gehen wohl in die Jahre 1150/1200 zurück.
In einer Urkunde vom 14.5.1429 heißt es: „Die Herzogin Katharina, Witwe des Herzogs Johannes, verschreibt ihrer künftigen Schwiegertochter Dorothea, Markgräfin von Brandenburg, als Leibgedinge Stadt und Land Wittenburg, dazu die Dörfer
Vellahn, Granzin, Greven und Gallin.“
postkart3

1505 schickten die Lübecker Bürger ihre Kriegsknechte gegen den Raubritter Zühle und brachen seine Raubritterburgen in Gallin und Neuenkirchen. Dabei wurde auch die Granziner Kirche zerstört.
1617 verpfändeten die Lützows ihren Besitz in Granzin an von Blücher auf Lehsen, später an Dr. Makrinus in Tüschow.
Nach zähen und langwierigen Verhandlungen wurde am 25. Mai 1840 der Separation
svertrag geschlossen, der Granzin in ein domaniales und ein ritterschaftliches Dorf teilte. Erst 1934 wurden Hof Sternsruh, Dorf Sternsruh und Granzin zu einer Gemeinde vereinigt.
Viel mehr Informationen finden sich in der Granziner Dorfchronik, erstellt von Kurt Schulz, erhältlich bei Bürgermeisterin Lichtner. (Texte übernommen aus der Dorfchronik Granzin, Kurt Schulz)

[Startseite] [Über uns] [Feuerwehr] [Geschichte] [Kirche] [Kinder] [Was tun ?] [Marktplatz] [Termine] [Adressen] [Impressum]